«Unfälle passieren nicht einfach. Sie sind fast immer das Resultat von Entscheidungen», sagt Michel Ebnöter, Referent von Roadcross, gleich zu Beginn des Präsentationsworkshops zur Verkehrssicherheit, den eine Kunststofftechnologen-Klasse aus der Abteilung der gewerblich-industriellen Berufe (GIB) am BWZ Rappi Ende Januar besucht hat. Mit einer weiteren, provokanten Einstiegsfrage holt der Referent die Lernenden ab: «Wie viele Entscheidungen treffen wir eigentlich pro Tag?» Über 20’000, lautet die Antwort – die meisten davon unbewusst. Genau dort setzt der Workshop an, den das BWZ Rappi bewusst für diese Klasse im dritten Lehrjahr organisiert hat.
Thema im allgemeinbildenden Unterricht
Denn diese Lernenden besprechen nicht nur im Fach ABU (allgemeinbildender Unterricht) Versicherungen, sondern bilden statistisch gesehen jene Altersgruppe, die am häufigsten in schwere Verkehrsunfälle verwickelt ist. «Nicht weil sie schlechter sind als andere», betont Michel Ebnöter, «sondern weil sie viele Entscheidungen zum ersten Mal treffen und darum häufiger deren Folgen unterschätzen.» Ziel der Veranstaltung ist deshalb nicht Belehrung, sondern Information, Sensibilisierung und bewusste Konfrontation mit realen Unfallfolgen.
Risikomanagement ernst nehmen
Viele Lernende berichten von eigenen Unfällen oder Beinahe-Situationen. Schnell wird klar, dass es oft nur Sekunden braucht, bis etwas passiert. «Unfälle sind kein Zufall», betont Michel Ebnöter. «Wenn man Risikomanagement ernst nimmt und sich selbst gut hinterfragt, kann man Risiken massiv senken.» Verkehrssicherheit beginnt bei jeder einzelnen Entscheidung, sei es beim Mitfahren, beim Tempo, beim Handy oder beim Alkoholkonsum.
Eine Sekunde kann ein ganzes Leben verändern
Ein Filmbeitrag im Workshop thematisiert daraufhin die Geschichte von Abra. Sie verlor ihren Freund bei einem Autounfall, nachdem sie in ein Fahrzeug gestiegen waren, dessen Fahrer Alkohol getrunken hatte. Ihre Aussagen gehen unter die Haut: «Eine Sekunde kann dein ganzes Leben verändern», sagt sie. Die körperlichen und psychischen Folgen begleiten sie bis heute. «Damit musst du ganz allein leben», sagt Abra.
Welche Entscheidung war nicht klug?
Nach dem Film fragt Michel Ebnöter offen in die Runde: «Was macht das mit euch?» Ein Lernender bringt es auf den Punkt: «Es zeigt wieder einmal, wie schnell es gehen kann.» «Es geht nicht ums Werten, sondern ums Verstehen: Welche Entscheidung war hier nicht klug?» Als ein Lernender schlicht mit «Alles» antwortet, nickt Michel Ebnöter: «Die beste Antwort, die ich je gehört habe.»
Ablenkung als grösste Gefahr
Im zweiten Teil des Workshops führt Leslie Holenstein, Co-Referentin von Roadcross, durch zentrale Unfallursachen. Alkohol, Drogen, Geschwindigkeit, Selbstüberschätzung – vieles ist bekannt. Doch eine Gefahr wird besonders greifbar: Ablenkung. Mit einem einfachen Aufmerksamkeitstest erleben die Lernenden, wie leicht selbst offensichtliche Dinge übersehen werden, wenn der Fokus falsch gesetzt ist. «Wenn wir uns stark auf etwas konzentrieren, blendet unser Gehirn anderes aus», erklärt Leslie Holenstein. Genau das passiert im Strassenverkehr; etwa durch das Handy, Müdigkeit oder Gespräche mit Mitfahrenden.
Alkohol, Drogen – und die Konsequenzen
Auch Alkohol, Cannabis und Medikamente werden thematisiert. Selbst kleine Mengen verändern Wahrnehmung, Reaktionszeit und Selbsteinschätzung. Cannabis kann bis zu 72 Stunden nachwirken, bei Drogen gilt Nulltoleranz. «Im Zweifelsfall gilt immer: nicht fahren», hält Michel Ebnöter fest.
Besonders eindrücklich ist das Beispiel eines jungen Fahrers, der nach einem Unfall unter Cannabiseinfluss mit massiven finanziellen Konsequenzen konfrontiert wird. Die Versicherung nimmt Regress und der Fahrer muss über 270’000 Franken zurückzahlen. «Alles nur wegen einer Entscheidung», fasst Leslie Holenstein zusammen und fragt: «Was hätte es gekostet, wenn er nicht gekifft hätte?» Eine Lernende antwortet korrekt: «Nur den Selbstbehalt.»
Verantwortung für ein ganzes Leben
Zum Abschluss stellt Michel Ebnöter eine letzte Frage: «Unfall – oder doch lieber ein geiles Leben?» Die Antwort lässt er bewusst offen. Was bleibt, ist die klare Botschaft: Verantwortung im Strassenverkehr beginnt nicht beim Gesetz, sondern bei jeder einzelnen Entscheidung.
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