«Künstliche Intelligenz ist kein Zukunftsthema. Sie ist längst Teil des Alltags unserer Lernenden. Umso wichtiger ist es, dass sie lernen, KI nicht nur zu nutzen, sondern auch zu verstehen und kritisch zu hinterfragen», sagt Carmen Kluser, Fachlehrerin Allgemeinbildender Unterricht (ABU) im Bereich gewerblich-industrielle Berufe (GIB) am BWZ Rapperswil-Jona.
Mit diesem Anspruch wurden im Januar mit mehreren Klassen der Abteilung GIB KI-Workshops durchgeführt. Im Rahmen eines Workshops durch Fachpersonen von Smartfeld, einer Initiative die Kreativität und Zukunftskompetenzen in den MINT-Fächern fördert, erhielten die Lernenden einen praxisnahen Zugang zur generativen KI. Ziel des Workshops war es, technisches Verständnis mit kritischem Denken zu verbinden und die Jugendlichen auf einen verantwortungsvollen Umgang mit KI in Schule, Beruf und Gesellschaft vorzubereiten.
Wie präsent KI bereits ist, zeigt sich auch gleich zu Beginn des Workshops: Auf die Frage, wer Künstliche Intelligenz regelmässig für Schule oder Beruf nutzt, melden sich alle Lernenden. Ob zum Recherchieren, Zusammenfassen von Texten oder zur Unterstützung bei beruflichen Aufgaben, KI-Tools sind für sie längst eine Selbstverständlichkeit.
Spielerisch Möglichkeiten und Grenzen entdecken
Der Workshop setzte bewusst auf Ausprobieren, Hinterfragen und gemeinsames Lernen. Auf den Bildschirmen der Lernenden entstanden mit dem Programm Quick, Draw! Zeichnungen und Skizzen – nicht immer mit dem gewünschten Resultat. Daneben wurde diskutiert, verglichen und gelacht. «Ich habe gemerkt, dass die KI zwar schnell ist, aber nicht immer recht hat», sagt Ben Sommer, Polymechanik-Lernender im ersten Lehrjahr, und zeigt auf sein Ergebnis bei Quick, Draw!: Die KI erkannte seine gezeichnete Trompete erst nach mehreren Anläufen. Peter Rüdisüli, Workshop- und Standortleiter von Smartfeld in Rapperswil, ordnet dies ein: «KI wird mit grossen Datenmengen aus der ganzen Welt trainiert. Theoretisch wäre es möglich, ihr falsche Muster beizubringen. Zum Beispiel dann, wenn viele Menschen eine Trompete falsch zeichnen und dies als korrekt bewerten. Was hier spielerisch mit Zeichnungen passiert, kann auch bei anderen KI-Anwendungen wie ChatGPT auftreten – mit entsprechend weitreichenden Folgen.»
Lernen durch Ausprobieren
Im Workshop arbeiteten die Schülerinnen und Schüler aktiv mit regelbasierter, abrufbasierter und generativer KI. Sie erstellten Bilder, formulierten unterschiedliche Prompts und verglichen die Resultate. Dabei wurde deutlich, wie kreativ, aber auch wie fehleranfällig KI sein kann. So kennt keine der getesteten KI-Anwendungen das schweizerdeutsche Wort «Gigampfi» für «Wippe». Anstatt eine passende Antwort zu liefern, erfanden die Programme kreative, aber falsche Erklärungen. Peter Rüdisüli betont: «Uns geht es nicht darum, den Lernenden fertige Antworten zu liefern. Sie sollen selbst ausprobieren, Fehler entdecken und daraus lernen. Genau so entsteht ein realistisches Bild davon, was KI kann und was eben nicht.»
KI testen und kritisch hinterfragen
Ein weiterer Bestandteil des Workshops war der zweite Teil, in dem die Lernenden in einem Gruppenprojekt die Rolle von Startup-Beraterinnen und -Beratern übernahmen. Dabei erfuhren sie, wie entscheidend präzise formulierte Prompts für die Zusammenarbeit mit generativer KI sind. Durch gezieltes Testen, Anpassen und Hinterfragen verbesserten sie ihre Ergebnisse Schritt für Schritt. «Wir mussten wirklich genau überlegen, wie wir der KI etwas erklären, damit sie das macht, was wir wollen», sagt Manuel Hagmann, Lernender Polymechaniker, nach der Gruppenarbeit. «Gerade in diesen Projekten wird sichtbar, dass KI ein starkes Werkzeug sein kann – aber nur dann, wenn der Mensch die Richtung vorgibt», betont Carmen Kluser und zieht ein Fazit aus dem Workshop: «Unsere Lernenden lernen, KI als Werkzeug zu verstehen und nicht als Ersatz für eigenes Denken. Es wurde klar, dass die Verantwortung immer beim Menschen liegt. Genau das wollten wir erreichen.»
Über Smartfeld
Smartfeld ist eine interdisziplinäre Initiative, die Kreativität und Zukunftskompetenzen fördert, um Kinder und Jugendliche fit für die Herausforderungen des digitalen Zeitalters zu machen. Als eine der Leadorganisationen der IT-Bildungsoffensive des Kantons St. Gallen (ITBO) bietet Smartfeld inspirierende Lern- und Experimentierräume in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Durch die Zusammenarbeit mit führenden Institutionen wie dem Switzerland Innovationspark Ost, der Empa, der GBS St. Gallen, der OST – Ostschweizer Fachhochschule, der Pädagogischen Hochschule St. Gallen, der Universität St. Gallen und neu auch das bzbs, Berufs- und Weiterbildungszentrum Buchs Sargans integriert das Smartfeld Expertise aus Bildung, Forschung und Praxis, um junge Menschen bestmöglich für das digitale Zeitalter vorzubereiten. Unser Motto: «Technologie + Kreativität».
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