Apnoetaucher Christian Langer zu Gast am BWZ Rappi

Gruppe von Menschen vor grünem Hintergrund posiert.

Die Lernenden des BWZ Rapperswil-Jona, die am Sport- und Förderprogramm Leistungssport teilnehmen, sind einen stark getakteten Alltag gewohnt. Trainingseinheiten, Wettkämpfe, Lehre und Berufsschule greifen bei ihnen eng ineinander. An einem Montagabend im Januar kommt jedoch etwas Ungewohntes hinzu: Stille. Auf der Leinwand in einem Schulzimmer gleitet ein Taucher ohne Atemgerät in die Tiefe. Währenddessen werden auch die Lernenden unwillkürlich ruhiger. Der Mann, der vorne steht und den Film gestartet hat, heisst Christian Langer.

Wenn Schule auf Extremsport trifft

Christian Langer, der in Rapperswil aufgewachsen ist und früher als Eishockey-Profi für die Lakers, den SC Bern und den EHC Chur auf dem Eis Stand, ist Apnoe-Taucher und das auf höchstem Niveau: Mit 92 Metern Tiefe hält er den Schweizer Rekord in seiner Altersklasse, gewann 2025 drei Goldmedaillen an den Weltmeisterschaften und ist neunfacher Schweizer Meister. Er weiss aus eigener Erfahrung, was Geduld, Disziplin und der Umgang mit Druck bedeuten. Genau deshalb war er der Gastreferent am diesjährigen Get-together-Event, mit dem für die Lernenden im Leistungsförderprogramm jeweils das neue Jahr beginnt. Der Profi gewährte eindrückliche Einblicke in seine aussergewöhnliche Sportart. Für viele der jungen Sportlerinnen und Sportler war es der erste direkte Kontakt mit dem Apnoetauchen – einem Sport, bei dem mentale Stärke mindestens so wichtig ist wie körperliche Fitness.

Was Apnoetauchen bedeutet

Apnoetauchen heisst, mit nur einem Atemzug möglichst lange oder möglichst tief zu tauchen. Es sei kein Kampf gegen das Wasser, erklärt Christian Langer, sondern ein ständiges Abwägen zwischen Ehrgeiz und Verantwortung. Wer zu viel wolle, verliere. Diese Logik verstehen die Jugendlichen schnell, denn viele von ihnen kennen das Gefühl, wenn zu hohe Erwartungen die Leistung blockieren. «Erfolg ist nicht nur spektakulär. Meist ist er das Resultat von vielen unscheinbaren Tagen», sagt der Profi. Es gehe nicht um Mutproben, sondern um Kontrolle, Ruhe und Technik. «Je entspannter ihr seid, desto leistungsfähiger wird euer Körper.» Damit zieht er direkte Parallelen zu anderen Leistungs- und Wettkampfsportarten wie Eishockey, Reiten oder Volleyball, die viele der Lernenden selbst ausüben.

Lernende im Mittelpunkt

Besonders aufmerksam hören die Jugendlichen zu, als Christian Langer über seinen eigenen Weg spricht. Viele von ihnen stehen selbst im Spannungsfeld zwischen Ausbildung, Training und Wettkampf. Genau hier knüpft der Referent an: «Ich weiss, wie schwierig es ist, alles unter einen Hut zu bringen. Aber ohne Struktur und Disziplin funktioniert es nicht, weder im Sport noch im Beruf.» Marc Weiler, Verantwortlicher für das Leistungsförderprogramm und Sportlehrer am BWZ Rapperswil-Jona, bestätigt: «Die Lernenden im Förderprogramm versuchen täglich, ihre Ausbildung und ihren ambitionierten Sport zu vereinen.» Das Leistungsförderungsprogramm biete ihnen Strukturen und Flexibilität, den inneren Druck müssten sie jedoch selbst bewältigen. Genau hier liege der Mehrwert solcher Inputs: «Christian Langer zeigt ihnen auf authentische Weise, dass mentale Stärke, Geduld und das Akzeptieren von Grenzen entscheidend sind – nicht nur im Sport, sondern auch für die berufliche Laufbahn», so Marc Weiler.

Erfolge, Training und Schattenseiten

Anhand von Bildern aus seiner Karriere zeigt Christian Langer Rekordversuche und Trainingssituationen. Er spricht offen über Erfolge, aber auch über Rückschläge und Risiken. Mentales Training spiele dabei eine zentrale Rolle. Besonders eindrücklich ist seine Offenheit gegenüber den Schattenseiten des Leistungssports. Statt sich selbst zu inszenieren, spricht er über lange Trainingsphasen ohne sichtbare Fortschritte, über Zweifel und schwierige Momente. Sein Rat an die Lernenden ist klar: «Setzt im Sport alles daran, erfolgreich zu sein, aber sorgt dafür, dass ihr eine Lehre habt, falls es nicht klappt.» Denn Leistungssport ist nie planbar, Verletzungen oder Rückschläge könnten Karrieren abrupt beenden. Eine solide berufliche Basis gibt Sicherheit und Freiheit.

Ein Vortrag, der nachwirkt

Nach dem Referat wird am gemeinsamen Pizza-Essen noch lange diskutiert. Viele Lernende nehmen weniger technische Details als vielmehr eine Haltung mit: Geduld, Konsequenz und einen respektvollen Umgang mit den eigenen Grenzen. Der Besuch von Christian Langer zeigt, dass Spitzenleistung nicht nur im Wasser entsteht, sondern im Kopf, im Alltag und in der Bereitschaft, kontinuierlich an sich zu arbeiten.

 

Das Förderprogramm Leistungssport an kantonalen Berufsfachschulen ergänzt die Bestrebungen eines Ausbildungsbetriebs mit dem Label «Leistungssportfreundlicher Lehrbetrieb» von Swiss Olympic. Gemeinsam ermöglichen wir jungen Sporttalenten einen erfolgreichen Berufsabschluss und die persönliche Entwicklung im Sport. Am BWZ Rappi nehmen aktuell 24 Lernende aus verschiedenen Berufsrichtungen daran teil.

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