Dreissig Jahre, unzählige Skizzen und immer wieder neue Orte: Seit 1996 verlassen die angehenden Zeichnerinnen und Zeichner Fachrichtung Architektur das Schulzimmer und entdecken Baukultur dort, wo sie entsteht. Eine kleine Reise durch die Eckpunkte von drei Jahrzehnten Projektwoche.
Die erste Projektwoche «Visualisieren» legt den Grundstein für eine Tradition. Was damals beginnt, begleitet Generationen von Lernenden: Architektur entdecken, genau hinschauen und das Gesehene mit Stift auf Papier festhalten. Gestartet wird mit 13 Lernenden im malerischen Stein am Rhein – mit einem Ziel: den Grundstein für ein Lebensprojekt zu legen.

Eintauchen in die Valser Architektur, stark geprägt von gigantischen Bauten der 60er- und 70er-Jahre und einem eben eröffneten architektonischen Highlight der Gegenwartsarchitektur: der Therme in Vals des damals noch wenig bekannten Peter Zumthor. Unvergessen, wie sich alle von den Bauten faszinieren lassen.

Auf den Spuren der Tessiner Architektur und der bereits sehr berühmten Bauten von Mario Botta. In der Turnhalle von Cevio heben die 23 Lernenden in andere Sphären der Architekturdarstellung ab.

Zur Überraschung aller bietet der Hauptort des kleinen Kantons eine ganz eigene Architektur und Kultur, welche die Lernenden bei den verschiedenen Museumsbesuchen anspricht und beeindruckt.

Gion A. Caminadas auf der Tradition aufgebaute Architektur zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Woche. Die Anziehung ist derart gross, dass die Klasse ein Jahr später an den Ort zurückkehrt, um die Vollendung der Siva da Morts zu bewundern.

Eintauchen in die Tausenden von Besuchern. Skizzieren, umringt von Menschen – alle mit vielen guten Ratschlägen und Sprüchen. Eine Bewährungsprobe, welche die Klasse ausgezeichnet meistert, bevor sie sich gerne in die Festivitäten begibt.

In der Abgeschiedenheit der hintersten Ortschaft im Maggiatal besuchen wir die deutschsprachige Walsersiedlung Bosco Gurin und lernen die letzten Dorfbewohner kennen. Nebst wunderbarer historischer Architektur bestaunen wir eine neue Jugendherberge und neue Seilbahnen, die das Dorf vor dem Untergang retten sollen.

Hoch über dem Rhonetal, an einer prominenten Südlage, liegt eine Ortschaft, die wie geschaffen ist für eine Projektwoche. Einmalig sind die in den Felswänden gebauten Holzleitern, die überwunden werden müssen, um in die nächstgrössere Ortschaft Leukerbad zu gelangen.

Ohne feste Unterkunft, dafür mit einem grossen Rucksack beladen, durchwandern wir in fünf Tagen skizzierend das Oberengadin. Auch während dieser Woche wird mehrheitlich selbst gekocht. Mangels anderer Möglichkeiten wird unter der Dachrinne geduscht – dafür können in aller Ruhe fantastische Gebirgslandschaften gezeichnet werden.

Das Bündner Südtal präsentiert sich als Sonnenstube. Im Nationalpark lernen wir die Spuren der unterschiedlichen Wildtiere kennen, und im Kloster erleben wir Nonnen, die uns eine neue Welt eröffnen. Gefangen im Kloster? Im Gegenteil – in der Freiheit des Glaubens und der klösterlichen Gemeinschaft. Was für eine Herausforderung für die jungen Zeichner:innen.

Auf Giacomettis Spuren durchwandern wir das Bergell. Wir entdecken unerwartete Gegenwartsarchitektur und historische Steinbauten, welche den Wegrand eines wunderschönen Tales zieren. Die Lernenden lassen sich von all dem faszinieren und von Architektur und Natur begeistern.

Der Berg, besser gesagt der Neubau der Monte-Rosa-Hütte, ruft! Im Anblick der majestätischen Welt der vergletscherten 4000er erklimmt die Klasse den Bauplatz. Wegen Bauverzögerungen kann zwar erst das Grundgerüst des visionären Projekts bestaunt werden, doch auch dieses beeindruckt. Lange Wanderungen mit kurzen Unterbrüchen fürs Skizzieren prägen diese intensive Woche.

«Mir sind mit em Velo da» gilt für diese aussergewöhnliche Projektwoche. Von einem Ort zum anderen wird pedalt, auf dem Rücken der Rucksack mit Klappstuhl und Skizzenbuch. Abwärts: «What a feeling…».

La Chaux-de-Fonds und Le Locle als Uhrenmekka der Schweiz zeigen uns ein riesiges Spektrum an Architektur. Unerwartet ist die auf dem Reissbrett entworfene Stadtstruktur, die in der Deutschschweiz kaum bekannt ist. Gepaart mit zwei Werken von Le Corbusier wird die Projektwoche zu einem architektonischen Highlight – trotz Bise und unerwarteter Kälte im windigen Jura.

Das Baralhaus in absoluter Einsamkeit in der Nähe des Passes dient als Unterkunft. Der 400-jährige Bau fordert besonders das Küchenteam. Das Freiluft-Schulzimmer inmitten der Walliser Bergwelt wird dank eines Sommerhochs zum Skizzier- und Bräunungsstudio. Allerdings verpassen es einzelne, sich gegen die UV-Strahlung zu schützen – und merken das spätestens in der Folgewoche.

Im Tal der hundert Täler entdeckt die Klasse eine unbekannte, aber umso eindrücklichere Perle: die Terra Vecchia in Bordei – eine im historischen Stil liebevoll restaurierte Ortschaft, welche das Architektenherz jubeln und den Zeichenstift beschwingt übers Papier sausen lässt. Die Klasse dankt es mit riesigem Einsatz und grosser Begeisterung.

An den gegen Süden ausgerichteten Hängen des Genfersees wachsen nicht nur fantastische Weintrauben, sondern es reihen sich auch malerische Ortschaften aneinander, die fürs Skizzieren wie geschaffen sind. Lauschige Plätze und schattenspendende Bäume bilden einen hervorragenden Rahmen fürs Zeichnen.

In der Kulturmühle, einem 1821 erstellten Bauwerk, leben wir eine Woche lang in der Welt von Jeremias Gotthelf. Ob er die Lernenden im Blick behält? So brav, wie sie sich geben, sind sie – bis der Jäger ihnen den Meister zeigt. Mit einem gut gefüllten Skizzenbuch kehren die Lernenden aus der Projektwoche zurück. Ein Stück Erfahrung haben sie ebenfalls im Gepäck.

Ein aufschlussreicher Blick in die Geschichte: Holzbauten werden aufgrund von Brandkatastrophen durch Steinbauten mit grösseren Bauabständen ersetzt. Dadurch entstehen unterschiedliche Siedlungsstrukturen, welche zeichnerisch analysiert werden können. Höhepunkt ist sicher die Übernachtung im Hotel Glacier du Rhone, das bei seiner Erstellung in unmittelbarer Nähe der Gletscherzunge realisiert wurde.

Wenn eine Lehrlingsklasse mit einem Lernenden im Rollstuhl unterwegs ist, wird die Sozialkompetenz der Klasse ungemein gefördert und gleichzeitig die schwierige Zugänglichkeit der RHB offengelegt. Eine unvergessliche Integration und die Leistung des Betroffenen überstrahlen alle anderen Erlebnisse dieser Woche.

Von Cavaglia über Poschiavo bis nach Tirano führt die Projektwoche durch eine Region voller architektonischer Kontraste. Palazzi, traditionelle Steinbauten und italienisches Flair sorgen für reichlich Stoff im Skizzenbuch. Das Zugpersonal wird durch Musik und Ballspiel auf die Probe gestellt.

Romainmôtier, Orbe und der Lac de Joux bilden die Kulisse dieser Projektwoche. Historische Baukultur und die Landschaft des Waadtländer Juras zeigen, wie eng Architektur und Umgebung miteinander verbunden sind. Neuland für Lernende, welche ihre Freizeit sonst eher im städtischen Kontext mit Klubs und Bars verbringen.

Die von vielen Sagen umwobene Gegend rückt die Auseinandersetzung mit der Schweizer Geschichte ins Zentrum. Am Fusse der Rütliwiese eine Woche zu verbringen, hat den Vorteil, dass das Schiff während der ganzen Woche als Transportmittel genutzt werden kann. Das erweiterte Bürgenstockresort wird zum bestaunten und skizzierten Grossobjekt.

Der erste Corona-Lockdown verhindert die Durchführung im Sommer. Nur ganz knapp vor dem zweiten Lockdown kann die Projektwoche im kalten Oktober unter schwierigen äusseren Bedingungen stattfinden. Wanderungen werden zur wärmenden Wohltat, während die Lernenden beim Skizzieren, teilweise mit Handschuhen, eine unendlich hoch einzuschätzende Willensleistung vollbringen. Trotz – oder gerade wegen – dieser Widrigkeiten gelingt eine unvergessliche Woche.

Corona ist noch nicht ganz überstanden – doch dank vieler Schutzkonzepte und Masken wird die Reise, begleitet von viel Sonnenschein, zu einem Glücksfall für die Klasse. Endlich wieder gemeinsam lachen beim Skizzieren, Einkaufen und Kochen, ohne das Gesicht hinter einer Maske oder einem Computer zu verbergen.

Die wenig bekannte Seite des Lago Maggiore bietet eine Fülle von Zeichnungsobjekten. Doch die hübschen Alpsiedlungen sind nur über viele steile Steinstufen zu erklimmen. Belohnt werden die Lernenden mit originalen Steinbauten und einer atemberaubenden Aussicht über den See.

In der Ostschweiz kennen wir wohl den Greyerzer auf dem Teller, nicht aber La Gruyère. Jeden Tag entdecken wir traditionelle Baukultur, Landschaft und überraschende Kunstwelten. Mit dem Schulfranzösisch fällt die Verständigung manchmal schwer. Zum Glück sind alle ZeichnerInnen – da hilft jede Form der visuellen Kommunikation! Cailler und das H.R.-Giger-Museum sorgen zusätzlich für eine starke Anregung der Sinne.

Von der Solothurner Altstadt über Schloss Waldegg und Industriebauten in Balsthal bis zum Goetheanum in Dornach reicht das Spektrum. Kaum eine Woche zeigt deutlicher, wie unterschiedlich Architektur Geschichten erzählen kann. Das lässt sich in all den Skizzenbüchern der Lernenden gut nachvollziehen.

Wer kennt ihn nicht, den Hund mit dem Fässchen um den Hals? Der Bernhardiner erhielt seine Bezeichnung vom Pass, auf dem er vielen Menschen half, die bei dessen Überquerung in Not gerieten. Diese Hilfe muss während unserer Woche trotz kühler Temperaturen niemand in Anspruch nehmen. Die Cabanne du Mont Velan als architektonisches Highlight ist eine körperliche Herausforderung und gleichzeitig ein architektonischer sowie zeichnerischer Genuss.

In diesem Jahr heisst sogar der ehemalige Bundesrat Adolf Ogi die Klasse mit einer E-Mail in seinem Heimatdorf willkommen. Von Kandersteg über den Niesen bis nach Spiez und ins Kiental führt die Woche. Historische Hotels als geeignete Skizzenobjekte und eine Klasse, die den Lehrer unterstützt und fordert, selbst viel leistet und einen grossen Teamgeist entwickelt – was braucht es mehr für eine gelungene Projektwoche?

Hier finden Sie wichtige Informationen wie den Ferienplan, Stundenpläne, verschiedene Downloads, alle Infos für Lehrbetriebe und vieles mehr.
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