29. Projektwoche führt in den westlichsten Teil des Wallis

Gruppe von Wanderern ruht sich auf Bergwiese aus.

Die ZFA23a lieferte «Tripel-A»: Architektur, Anstrengung, Authentizität.

Vom 30. Juni bis 5. Juli 2025 verlegte die Klasse ZFA23a – Zeichner:innen EFZ Fachrichtung Architektur des BWZ Rapperswil-Jona – ihr Skizzenatelier ins kaum bekannte, aber umso spektakulärere Val d’Entremont beim Mont Vélan. In diesem Bericht blickt Projektleiter und Fachlehrer Simon Rakeseder auf die Woche zurück.

Tag 1: Ankunft mit Hitze, Skizzen mit Regen

Nach einer gefühlt archäologischen Durchquerung der Schweiz landeten 15 Nachwuchszeichner:innen in Sembrancher. Der Aufstieg zur Unterkunft bei sengender Hitze und schwerem Gepäck erwies sich als erste Prüfung – nicht architektonisch, aber thermisch. Kaum eingerichtet, ging es zurück ins Dorf zum Skizzieren. Es regnete. Mehrfach. Während die ganze Schweiz unter einer Hitzewelle litt. Die Kochgruppe bestellte sich dezent einen Uber, um die Lebensmittel nicht hochzuschleppen – ein logistisches Meisterwerk. Die Spaghetti schmeckten, und der erste Arbeitsabend bis nach 22 Uhr war trotz Wasser in den Schuhen ein voller Erfolg. Projektstart geglückt.

Tag 2: Frühstart & Weitwanderung mit Aussicht

Tagwache um 04:45 Uhr. Architekt:innen wissen: Form folgt Fahrplan. Wer das einzige Postauto nach Liddes verpasst, bleibt skizzierend in Sembrancher zurück. In Liddes, auf 1300 m.ü.M., wurde bei frischen Temperaturen das Ortsbild studiert, bevor es auf eine 17,5 km lange Wanderung ging – Höhenmeter: +500 / –900. Und der Blick auf den Mont Vélan? Postkartenwürdig.

Tag 3: Italianità und Bernhardiner

Fast ein Langschläfertag: Tagwache um 05:45 Uhr. In Orsières wurde vormittags das lineare Strassendorf mit all seinen Gassen, Übergängen und italienischen Steinarchitektur eingefangen. Danach ging’s hoch hinaus zum Grand-Saint-Bernard, 2469 m.ü.M. Der Wind pfiff durch das Passelement wie einst Julius Cäsars Legionäre. Gezeichnet wurde. Trotz Wind. Trotz Kälte. Trotz unpassender Kleidung wie kurze Hosen.

Tag 4: Der grosse Aufstieg – Architektur als Belohnung

Um 04:45 Uhr Tagwache, wieder. Dieses Mal für die Wanderung der Wanderungen: Von Bourg-St-Pierre zur Cabane du Vélan – 1050 Höhenmeter, 7 km und nur ein Ziel: eine Hütte mit architektonischem Anspruch. Die Gruppe blieb diszipliniert im «Rakeseder-Tempo» (eine Mischung aus Alpinismus und Effizienzdenken). Die SAC-Hütte selbst? Ein Meisterwerk in Linsenform, formal reduziert, funktional erweitert, aktuell im Umbau. Mittagessen mit den Bauarbeitern – kulinarisch wie architektonisch begeisternd. Der Rückweg war lang, aber: Es wurde im Tal und auch am Abend weitergezeichnet. Bis tief in die Nacht.

Tag 5: Die andere Talseite

Letzte Wanderung. 800 Höhenmeter bergab, 10 km, Start im Nieselregen, der später in prächtigen Sonnenschein überging. Im Weiler Le Biolley erwartete die Klasse ein architektonischer Leckerbissen: ein ehemaliger Speicher, umgebaut zum Ferienhaus. Die Architekten Savioz Fabrizzi reisten aus Sion an, um mit Details zu Projektidee, Materialwahl und Kontextbezug zu erklären. Der gemeinsame Grillabend mit Jöggeliturnier und vielen Lachern zeigte, dass eine Projektwoche auch Spass machen darf.

Tag 6: Reinigung mit System – ganz ohne Ämtliplan

Auch das gehört zur Projektwoche: putzen. Doch was passiert, wenn man 15 angehende Zeichner:innen ohne Plan arbeiten lässt? Es klappt! Und zwar erfreulich effizient. Danach Rückfahrt zurück ins Mittelland, mit vollem Skizzenbuch und leeren Energiereserven.

Krönender Abschluss: Vernissage am BWZ

Zurück im Mittelland endete die intensive Woche nicht einfach mit dem Verstauen der Skizzenbücher. Am 20. August präsentierte die Klasse ihre Arbeiten der Öffentlichkeit. Eltern, Berufsbildnerinnen und Berufsbildner sowie zahlreiche Gäste füllten die Aula des BWZ Rapperswil-Jona. Skizzen, Collagen und Zeichnungen entführten die Anwesenden in die Höhen und Dörfer des Val d’Entremont.

Die Rückmeldungen waren eindeutig: «Es ist beeindruckend. In nur einer Woche hat die Klasse so viel erschaffen. Auch der Teamgeist ist erlebbar, der sich in dieser Projektwoche entwickelt hat», sagte Veronika Kull, Mutter von der angehenden Zeichnerin Jessica Kull. Die Lernenden selbst zogen ein positives Fazit: «Die ganze Woche war toll. Noch besser, wie es uns die Vorgängerklassen beschrieben haben. Besonders in Erinnerung: Das Jöggeliturnier mit Herrn Rakeseder nach intensivem Zeichnen morgens um 3 Uhr », sagt Gian Honegger und betonte: «Ich glaube, wir haben alle gelernt – Zeichnen ist mehr als Linien aufs Papier setzen.»

Zum Abschluss wurden die drei besten Skizzenbücher ausgezeichnet:

  1. Preis: Martina Eisenring, Wickli + Partner AG, Nesslau
  2. Preis: Jessica Kull, planbasis AG, Bütschwil
  3. Preis: Gian Honegger, Ziegler + Partner Architekten AG, Rapperswil-Jona

 

In der Galerie sind die Gewinner mit Fachlehrer Simon Rakeseder (ganz links im Bild) von links nach rechts: Gian Honegger, Martina Eisenring, Jessica Kull

Die Vernissage war ein feierlicher Rückblick. Und ein Moment der Anerkennung – für individuelle Höchstleistungen und den gemeinsamen Weg der ganzen Klasse. Die ZFA23a hat geliefert. Ein echtes «Tripel-A»: Architektur, Anstrengung, Authentizität.

Quicklinks

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