«Es ist toll zu sehen, wie stolz alle auf ihre Arbeiten sind. Die Lernenden haben in diesen praxisorientierten Projekten sehr viel gelernt», sagt Fachlehrerin und Projektleiterin Susanne Faisst. Sie steht an einem Mittwochmorgen im Mai in einem Schulungsraum der FH OST. Hier haben 23 KV-Lernende aus dem 2. Lehrjahr des BWZ Rappi Stände aufgebaut und zeigen den zahlreich erschienenen Eltern, Berufsbildnerinnen und Berufsbildnern sowie Lehrpersonen jene Projekte, die sie während des Schuljahres im Wahlpflichtbereich 2 (WPB2) erarbeitet haben. Die Gäste gehen von Stand zu Stand, hören zu, fragen nach und kommen mit den Lernenden ins Gespräch. Es gibt viel zu entdecken: Die angehenden Kaufleute präsentieren Arbeiten zu ganz unterschiedlichen Themen. Einige Projekte beschäftigen sich mit Abläufen im Betrieb, andere mit Kommunikation, Kundengesprächen, Fremdsprachen oder der Einführung neuer Lernender, um nur einige Beispiele zu nennen.
Aus der Praxis, für die Praxis
Darunter etwa David N.: Er hat für seinen Lehrbetrieb eine Anleitung erstellt, mit der neue Lernende schneller eingearbeitet werden können. Die Idee dazu hatte er aus eigener Erfahrung: «Gerade am Anfang der Lehre kommt sehr viel auf einen zu und man traut sich vielleicht nicht immer, zu fragen. Das habe ich teilweise selbst erlebt. Mit meiner Orientierungshilfe möchte ich das vereinfachen.» Schon ab August 2026 wird sich zeigen, wie seine Anleitung im Alltag funktioniert. Dann setzt sein Betrieb das Projekt mit neuen Lernenden um.
Eine Checkliste für bessere Kundengespräche
Luca St. wiederum hat eine Checkliste für Kundengespräche entworfen, die sein Betrieb bereits verwendet. Er sagt: «Ich merkte im Verlauf meiner Ausbildung, dass ein gutes Kundengespräch nicht einfach zufällig entsteht. Man muss sich vorbereiten, aufmerksam zuhören und am Schluss klar festhalten, was vereinbart wird. Die Checkliste hilft mir, sicherer aufzutreten. Dass sie jetzt im Betrieb genutzt wird, macht mich stolz.»
Drei Wochen Lugano und mehr Mut zur Sprache
Ein ganz anderes Projektthema hat Moreno L. umgesetzt. Er hat sich mit dem Lernen von Fremdsprachen beschäftigt und dazu drei Wochen lang in einer Filiale seines Lehrbetriebes in Lugano gearbeitet. Lachend erinnert er sich: «Zwar konnte ich vorher zwei, drei Brocken Italienisch und verstand die Sprache teilweise, aber jeden Tag nur auf Italienisch zu kommunizieren, war nicht ohne.» Deshalb sucht er bewusst Gespräche mit anderen Mitarbeitenden und erweitert seinen Wortschatz mit Apps. Mit seinem Lernerfolg ist er sehr zufrieden und nimmt sich für die Zukunft vor, im Betrieb vermehrt Italienisch zu sprechen.
Ziel erreicht
Genau das sei das Ziel gewesen, betont Susanne Faisst: «Die Lernenden sammeln Erfahrungen, die über den Unterricht hinausgehen. Sie setzen sich mit echten Situationen aus ihrem Berufsalltag auseinander, entwickeln eigene Lösungen und reflektieren, was sie dabei lernen.» Der Wahlpflichtbereich 2 knüpft damit direkt an zwei zentrale Anliegen der kaufmännischen Ausbildung an: Die Lernenden erweitern ihr kaufmännisches Können und werden darin unterstützt, ihre Talente im kaufmännischen Bereich weiterzuentwickeln.
Was praxisnaher Unterricht bewirkt
Die Ausstellung macht deutlich, was praxisnaher Unterricht bewirken kann. Die Lernenden präsentieren nicht nur fertige Arbeiten. Sie zeigen auch, was sie beobachten, ausprobieren, verbessern und lernen. So wird der Wahlpflichtbereich 2 zu einer Ausstellung voller Einblicke: 23 Projekte, 23 Themen und viele junge Menschen, die sichtbar stolz auf ihre Arbeit sind.
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